Datum: April 2020 | Autor(en): Dorette Lochner

Führungs- und Kommunikations- kompetenz online trainieren -
gut gemacht eine große Chance

Personalentwickler und Trainingsanbieter stellen sich mehr denn je die Frage, ob und wie sie Präsenzseminare durch geeignete Online Trainings ersetzen können.  Nach unserer Erfahrung kommt es besonders auf vier Aspekte an:

1. Wie gelingt die Beteiligung der Teilnehmer?

Eine entscheidende Größe für den Lerneffekt ist der Grad an Beteiligung der Lerner. Lernen durch Mitwirken ist bekanntermaßen nachhaltiger als reines Zuhören.

Für einen online Trainer bedeutet das: neben inhaltlicher Kompetenz muss er/sie sich in den Methoden, die die online Plattform bietet, bestens auskennen und sie so nutzen, dass Teilnehmer sich aktiv einbringen, aber nicht durch das Handling der Technik absorbiert sind.

Das ist gar nicht so trivial, es geht tatsächlich und macht Spaß.

2. Wie entsteht eine gute Vertrauensatmoshäre?

Ein Klima von Vertrauen und Offenheit ist in einem „soft skill“ Training natürlich besonders wichtig. Nur in einem vertrauensvollen Lernraum bringen Teilnehmer ihre eigenen Anliegen ein. Manchmal hören wir die Fragen: Wie kann man eine Vertrauensatmsphäre herstellen, wenn man gar nicht beieinander ist? Geht Vertrauen auch virtuell?

Wir sagen ja, das geht. Denn: ob in einer Gruppe Vertrauen entsteht, hängt vor allem davon ab, welche „Geisteshaltung“ und welche Interessen ich bei den anderen Gruppenmitgliedern vermute. Und da bestehen in einem online Training zunächst die gleichen Vorbehalte wie in einem Präsenztraining.

Das Niveau an Vertrauen wächst rasch, wenn es dem Trainer gelingt mit einladenden Fragen und Übungen ein paar Vorreiter zu ermutigen, ihre Probleme offen einzubringen. Wenn dies gelingt, folgen die Vorsichtigeren. Das gilt für ein Präsenztraining ebenso wie für ein online Training.

3. Was ist mit Praxisnähe im Lernsetting?

Lernen ist umso nachhaltiger, je näher der Lernkontext an der Lebenswirklichkeit ist. Und da stellt sich bei Führungs- und Kommunikationstrainings schlicht die Frage, in welchen Kontexten sich die Menschen im Arbeitsalltag tatsächlich begegnen.

Je mehr sich Zusammenarbeit im virtuellen Raum abspielt, desto wichtiger ist es, herausfordernde Gespräche auch online zu beherrschen - vom Feedback bis zum Job Interview. Nach unseren Erfahrungen ist Kommunikationskompetenz im virtuellen Raum für viele Fach- und Führungskräfte aktuell ein besonders spannendes Lernfeld. Üben mit eigenen Fällen ist dabei besonders wichtig und auch virtuell möglich.

4. Welche Trainingsdauer ist möglich?

Nicht zuletzt spielt die zumutbare Dauer von Präsenz- und online Trainings eine wichtige Rolle: Präsenztrainings zu „soft skills“ dauern in der Regel einen ganzen Tag oder länger. Diese zusammenhängende Lernzeit ist wichtig, denn das Lernen von Sozialkompetenzen ist mehr als Wissenserwerb. Es bedeutet, eigene Einstellungen und Emotionen zu reflektieren, Gespräche zu üben und Feedback zu verarbeiten. Und dafür braucht man Zeit und mentalen Freiraum.

Wenn man online vergleichbare Lerneffekte erzielen möchte, braucht man diese zusammenhängende Lernzeit auch. In einem zweistündigen Training erreicht man nicht die Lerntiefe eines ganzen gemeinsamen Tages. Auch eine Reihe von zweistündigen online Modulen kann die Intensität eines ganzen Tages nicht ersetzen.

Wir haben uns daher auf den Weg gemacht, ganztägige online Trainings mit einer dynamischen Dramaturgie anzubieten. Das geht mit einem spannenden Wechsel aus online und offline Phasen, mit Paarinterviews per Handy beim Spaziergang,  Break-out-Gruppen, Plenumsimpulsen, Rollenspielen, Case Work und Einzelreflektion - das Ganze verbunden mit abwechslungsreichen Techniken der Visualisierung und Ergebnissicherung. Die Teilnehmer-Feedbacks bestätigen uns auf diesem Weg.

Faszinierend, was da virtuell alles möglich ist.

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