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Datum: Februar 2021 | Autor(en): Detlef Schröter, Dorette Lochner

Lesezeit: ca. 4 Minuten

UUPS - Unsere Organisation ist hybrid!

Wie finde und gestalte ich meine neue Rolle?


Wir erleben derzeit kaum eine Kundenorganisation, die sich nicht transformiert. Und selten, dass der Prozess der Transformation einem geordneten Policy Deployment Prozess folgt. Man will ja gerade die Orchestrierung von oben hinter sich lassen und Eigeninitiative aus allen Ebenen der Organisation fördern. Impulse werden gesetzt, neue Organisationsformen werden ausprobiert, neue Rollen kreiert. Teams werden ermutigt, sich selbst zu managen, neue Partizipations- und Co-Working-Formen werden eingeführt, die Digitalisierung hat dem einen großen Schwung gegeben.

Man könnte die Reihe von Buzzwords noch länger fortsetzen. Der gemeinsame Nenner ist, dass viele Entwicklungen in Organisationen parallel geschehen und viele Veränderungen in unterschiedlichem Tempo. Das macht vieles zunächst eher unübersichtlich! Und es verlangt nach einer Veränderung im Mindset: weg vom „command and control“, zu mehr „sense and respond“.


Wie fühlt sich das für die Mitarbeiter*innen an?


Im Peer-Coaching erzählen es uns die Teilnehmer mit ihren Fragen, die sie an uns stellen:

  • Wie kann ich meine Rolle als Topic Owner wahrnehmen, wenn die Nachbarabteilung nur mit meiner Vorgesetzen sprechen will?
  • Wie nehme ich meine Verantwortung als Experte wahr, wenn an anderer Stelle entschieden wird? Kann ich mich als Experte in Entscheider-Meetings selbst einladen?
  • Wie kooperiere ich als People Lead mit den verschiedenen Scrum-Mastern? Wie kann ich ohne „Ranks and Titles“ in meiner Organisation mehr Einfluss gewinnen?
  • Wie gestalten wir die Kooperation mit Teilen der Organisation, die noch klassisch und hierarchisch strukturiert sind?
  • Was mache ich, wenn andere die agilen Spielregeln nicht einhalten?
  • Wie arbeite ich als Produktionsleiter mit unseren neuen Squads und Tribes zusammen?
  • Welches Gehalt kann ich als People Lead für mich in Anspruch nehmen? Wie wird die Rolle bewertet? Was darf ich als Chapter Lead, als Tribe Lead?

Diese Fragen erzählen Bände von den Unschärfen neuer Rollen, die Mitarbeiter in einem sich transformierenden Unternehmen derzeit erleben: definierte agile Rollen und Prozesse auf der einen, hierarchische Strukturen auf der anderen Seite, und ganz viel „Hybrides“ in der Mitte. „Keiner sagt mir genau, was ich zu tun habe, was ich darf und was nicht, wer ich bin und was ich wert bin“.

Das ist doch eigentlich eine tolle Nachricht: Mitarbeiter gewinnen an Gestaltungsfreiheit und dürfen Einfluss nehmen, jenseits formaler Strukturen. Jedoch nicht alle Persönlichkeitstypen tun sich leicht damit sich selbst zu ermächtigen. Gerade Wissensträger, Analytiker mit Tiefgang und kreative Erfindertypen tun sich schwer mit dem Anspruch, andere beeinflussen zu wollen; gerade weil sie komplex denken können und gerne nach noch besseren Lösungen suchen. Und weil sie oft zwar ein hohes Autonomiebedürfnis haben, aber wenig Machtmotivation.

Daher ist es für Organisationen wichtig, ein Augenmerk darauf zu haben, dass diese Persönlichkeiten in dem Aushandlungsprozess um Einfluss nicht untergehen und damit die Organisation eine wichtige Ressource für die Transformation verliert.

Was also kann getan werden? Wir sehen drei gute Ansatzpunkte!

1. Lernarchitektur Peergruppe für mutiges und proaktives Handeln!

Wir erleben immer eindrücklicher, wie sehr es Mitarbeitern hilft, sich in Peergruppen zu beraten. Kollegen reflektieren gemeinsam ihre Rollen und unterstützen sich dabei, Erwartungskonflikte zu adressieren und zu lösen.

Wir als Coaches machen aufmerksam auf „kollektive Denkblockaden“, zeigen Gestaltungsfelder auf und unterstützen dabei aufkommende Spannungen als positives Energiepotenzial für Veränderungen zu nutzen.

Kaum eine Methode arbeitet so „near- und on-the-job“ wie das Peer Consulting. Die Teilnehmer bestätigen uns, dass diese Stunden mit der Peer ihrer Einstellung und Herangehensweise an die aktuellen Herausforderungen „Flügel verleihen“.

 

2. Ressource Selbstwirksamkeit – wie erhöhe ich meinen „Impact“?

Bei noch unklaren Rollenzuweisungen und unbekanntem Gelände sinkt unsere Selbstwirksamkeitsüberzeugung, uns fehlen Erfahrungswerte. In unseren Workshops stellen die Teilnehmer sich diesem Gefühl und gewinnen ein neues Mindset für den flexiblen Umgang mit Unvorhergesehenem und lernen den Schlüsselfaktor „Zweitreaktion“ kennen.

Im nächsten Schritt gilt es Klarheit zu gewinnen, was für mich wirklich Sinn macht und auf welche eigenen Ressourcen und Stärken ich dabei vertrauen kann. Wir prüfen, wo der eigene „Circle of Influence“ sinnvoll erweitert werde soll, im Austausch entwickelt jeder seine Selbstwirksamkeitsstrategie und einen passenden Plan dazu, in einer „Mirror speech“ wird dies auch verbal auf den Punkt gebracht.

Nun gilt es, sich seiner eigenen Wirksamkeit als Führungskraft oder Wissensträger im praktischen Tun bewusst zu werden. In unterschiedliche Übungs-Settings der Zusammenarbeit erleben die Teilnehmer ihre Verhaltensmuster und erfahren in Feedbackrunden welchen positiven oder kritischen Einfluss dies auf die Teamleistung hat.


3. Kompetenzaufbau Selbstmarketing – wie mache ich mein Angebot sichtbar?

In unseren Trainingseinheiten beobachten wir, dass Experten und Führungskräfte oft eine kritische Haltung zum Thema Selbstmarketing mitbringen. Daher geht es zunächst darum, dass sie das Thema neu reflektieren und sich der Chancen stärkerer Sichtbarkeit - für sich selbst und die Organisation - bewusst werden.

Danach entwickeln die Teilnehmer einen individuellen Plan für den gezielten Ausbau ihrer Bekanntheit als Wissensträger in der Organisation und darüber hinaus. In praktischen Übungen erleben sie, wie sie in persönlichen und digitalen Settings wirksam auftreten und ihr Wissen, ihre Einschätzungen, ihre Ideen nachhaltig einbringen können. Sie üben, wie sie Entscheider durch adressatengerechte Argumentation gewinnen und Entscheidungen positiv beeinflussen können. Nicht zuletzt erkennen sie den Mehrwert von strategischem Networking in sich verändernden Organisationsstrukturen.

 

Wir bieten individuelle Inhouse-Programme für die Transformation von Organisationen, für Führungskräfte und Mitarbeiter in ihren neuen, hybriden Rollen, gerne auch virtuell.